Renate Stromminger (li) mit Isabella Thaler

Renate Stromminger (li) mit Isabella Thaler

"Wir sehen nur den Menschen, der Hilfe braucht."

Mein Name ist Isabella Thaler und ich bin freiwillige Mitarbeiterin im Kost-nix-Laden, der im Caritaszentrum Bischofshofen in einem Kellerraum der Pfarre unterbracht ist. Wir dürfen den Raum kostenlos nutzen. Der Laden wurde am 20.10.2025 eröffnet. Er ist ein Teil des Caritas Projekts „Bewegende Begegnungen“.

Gut erhaltene Kleidung, Bücher, Geschirr und einiges andere mehr sind in unserem Sortiment. Sie werden bei uns abgegeben und alle sind willkommen, sich einzelne Sachen gratis mitzunehmen. Bei Kaffee und Kuchen kann geplaudert werden, dabei entstehen Gespräche, die oft recht berührend für mich sind. Es sind viele armutsgefährdete Menschen, wir fragen nicht nach, warum sie wenig Geld haben. Wir sehen nur den Menschen, der Hilfe braucht! Durch die Geschichten, die uns dabei oft erzählt werden, entstehen Verbindungen. Für mich gibt es nichts Schöneres, als helfen zu können! Vor allem, weil ich selbst weiß, was es heißt, mit wenig Geld auskommen zu müssen. Daraus mache ich auch kein Hehl und das ist meine Motivation, hier mit anzupacken. Es ist schön, wenn die Menschen etwas glücklicher wirken, wenn sie den Laden verlassen.

Anfangs war nur am Dienstag geöffnet, mittlerweile sind die Öffnungszeiten stark ausgeweitet worden – jetzt ist am Dienstag von 9.00 – 12.00 und von 14.00 – 16.00 Uhr, am Donnerstag von 14.00 – 16.00 Uhr und seit Kurzem auch jeden 1. Samstag im Monat von 9.00 – 11.00 Uhr geöffnet.

Zur Bewerbung wurde unter anderem der Kost-nix-Laden – Flyer in Kindergärten, in den Schulen und in Firmen aufgelegt, dadurch ist er jetzt schon gut bekannt geworden. 

Die Leute kommen aus der ganzen Region, auch aus dem Gasteiner Tal. Die Hemmschwelle, die es am Beginn gerade für Einheimische aus Bischofshofen gab, ist mittlerweile nicht mehr so da. Durch Mundpropaganda ist der Laden bekannt geworden. Zur Zeit sind wir sieben Freiwillige, fünf Frauen und zwei Männer. Die Damen habe ich alle in meinem Bekanntenkreis angeworben, die beiden Herren konnte Renate Stromminger, die Leiterin des Caritaszentrums, gewinnen. Sie ist für den Laden verantwortlich. Ihr ist es wichtig, dass wir immer zu zweit im Einsatz sind, einerseits aus Sicherheitsgründen, andererseits, weil es immer viel Arbeit gibt. Die Leute, die Sachen spenden, kommen und fragen, was wir gerade brauchen, zum Beispiel je nach Jahreszeit die entsprechende Kleidung und bringen uns dann das Passende vorbei. Es muss Statistik gemacht werden, die Leute, die Produkte mitnehmen, müssen ihre Postleitzahl angeben, weiblich, männlich wird ebenfalls festgehalten. Neben der Kleidung wurde Geschirr der große Renner, Dekomaterial ist besonders beliebt. Einmal im Jahr gibt es einen Flohmarkt, die Sachen sollen nicht zum Ladenhüter werden, sondern Verwendung finden.

Meine fünf erwachsenen Kinder unterstützen uns ebenfalls, sie nutzen Facebook und Instagram, um den Laden zu bewerben. Auch wenn wir Hilfe bei einem Transport brauchen, springen sie ein. Meine Kinder helfen mit, da sie gemerkt haben, dass mir die Freiwilligenarbeit sehr wichtig ist. Ich bin zu allen Öffnungszeiten da, weil mir meine neue Aufgabe einfach viel gibt. Mein Labrador Lui darf übrigens immer mit dabei sein!

Etwa zwei Drittel der Besucher*innen sind Frauen, ich nehme an, es ist wie beim Einkaufen, das ist immer noch eher Frauensache. Natürlich kommen auch viele Flüchtlinge, für mich ist das eine neue Erfahrung, Menschen mit Fluchthintergrund einmal persönlich zu treffen, davor habe ich von ihnen nur aus den Medien erfahren. Und so habe ich einen ganz neuen Blick auf diese Menschen. Wenn wir zusätzlich Hilfe brauchen, sind sie gleich zur Stelle und packen mit an. 

Durch die Freiwilligenarbeit mache ich viele neue Erfahrungen, vor allem macht es Freude, geben zu können!

Isabella Thaler

Der Bericht wurde nach einem Gespräch mit Ingrid Ebner, Abteilung Freiwilligenarbeit, verfasst.