Eine junge Frau und ein älterer Mann arbeiten gemeinsam an einem Laptop

Manfred Husslig, Bewohner der betreuten Wohnens Oberalm, mit Natasa Jovicic, Schülerin der HAS Hallein.

Digital dabei! – Junge helfen Älteren

Im Rahmen des Projekts „Digital dabei!“ unterstützen junge Freiwillige der youngCaritas ältere Menschen dabei, sicherer und selbstständiger in der digitalen Welt unterwegs zu sein. In einer entspannten und vertrauensvollen Atmosphäre lernen Senior*innen im persönlichen Austausch den praktischen Umgang mit Smartphone, Tablet und Computer – und der erste Schritt ist oft der wichtigste: Berührungsängste abbauen.

Am 16. Februar fand eine besondere Ausgabe des Projekts statt. Bewohner*innen der Seniorenresidenz Schloss Kahlsperg und des Betreuten Wohnens Oberalm nahmen zunächst am Webinar „Sicherheit im Internet“ der A1 Seniorenakademie teil. Anschließend standen Schüler*innen der HAK/HAS Hallein bereit, um gemeinsam mit den Senior*innen offene Fragen zu klären, praktische Anwendungen zu üben und wichtige Sicherheitstipps zu vertiefen. 14 Bewohner*innen des betreuten Wohnens Oberalm und der Seniorenresidenz Schloss Kahlsperg haben teilgenommen.
 
Waltraud Peller nimmt regelmäßig an den Terminen mit den Schüler*innen teil, sie erzählt: „Schon beim ersten Mal habe ich unglaublich viel gelernt. Vorher konnte ich nur telefonieren, WhatsApp nutzen und vielleicht ein Foto machen – vor allem aber hatte ich Angst vor allem Digitalen. Die Schüler*innen der youngCaritas haben mich großartig begleitet und mir alles verständlich erklärt. Jetzt finde ich Bus- und Zugverbindungen, gebe selbstständig alles ein, bin auf Instagram aktiv, poste regelmäßig und nutze sogar Facebook. Es macht mir Freude!“

Auch Marianne Affenzeller ist dankbar: „Ich war schon zwei- oder dreimal dabei, denn es interessiert mich sehr. Obwohl ich älter bin und vieles noch nicht wusste, bin ich unglaublich dankbar für all die Informationen, die ich bekomme. Schon kleine Dinge machen den Alltag leichter – zum Beispiel eine Notiz am Handy, damit man die Einkaufsliste immer dabeihat. Auch über Sicherheit im Internet habe ich viel gelernt: besonders bei E‑Mails muss man genau hinschauen, etwa auf die Absenderadresse. Ich bin zwar vorsichtig, aber man kann nie vorsichtig genug sein.“
 
Die Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt zeigt deutlich: Digitale Unterstützung ist weit mehr als Technikvermittlung. Sie schafft Begegnung. Für die Senior*innen bedeutet die persönliche Begleitung durch Jugendliche einen leichteren, angstfreieren Zugang zu digitalen Angeboten. Technische Grundlagen können im direkten Austausch schnell verstanden und sofort praktisch ausprobiert werden.
 
Für die jungen Freiwilligen wiederum ist das Projekt ein wertvolles Lernerlebnis. Sie merken, wie ihr Wissen einen echten Unterschied macht. Geduld, soziale Verantwortung und klare Kommunikation – all das wird im Kontakt mit Senior*innen gestärkt.
 
Leonie Watzal, Schülerin der HAS Hallein, erzählt: „Bei Digital dabei habe ich unglaublich viel Spaß. Beim ersten Mal haben wir Spiele gespielt, danach Fragen und Antworten rund ums Handy – das kam super an, hat Freude gemacht und deshalb machen wir das weiter. Beim zweiten Treffen hatte ich zufällig wieder dieselbe Dame. Sie hat mir Schokolade mitgebracht, wollte Fotos machen – ich glaube, sie hat mich richtig ins Herz geschlossen. Ich konnte ihr zeigen, wie man Apps löscht, Fotos sortiert oder Siri benutzt. Wir sind mit Handys aufgewachsen – für uns ist das selbstverständlich. Dieses Wissen weiterzugeben und zu sehen, wie glücklich Senior*innen sind, wenn sie zum Beispiel ihr erstes Foto versenden, ist einfach etwas Besonderes. Das Schöne daran: Ich sammle dabei fast so etwas wie echte Berufserfahrung. Ich mag den Umgang mit älteren Menschen – außerhalb der Familie hat man als Jugendliche ja kaum Kontakt zu ihnen. Unsere Generation merkt oft gar nicht, wie herzlich ältere Menschen sind. Es sind wirklich mit die freundlichsten Begegnungen, die ich habe.“

Ayla Halilagic, ebenfalls Schülerin der HAS Hallein:
„Es ist ein sehr schönes Erlebnis. Am Anfang waren wir alle aufgeregt, standen in Gruppen da, keiner sprach mit dem anderen – wir haben uns erst vorsichtig herangetastet. Doch die Barriere ist schnell gefallen. Wir haben nicht nur über das Handy gesprochen, sondern sie haben viel aus ihrem Leben erzählt. Da entstand eine richtige Verbindung – sogar über Urlaube und persönliche Momente. Natürlich gab es typische Fragen – Handy, Kamera, Wecker stellen, Fotos schicken. Aber am wichtigsten war die Erkenntnis, dass das Handy nicht nur Technik ist, sondern ein Werkzeug, um schöne Erinnerungen einzufangen und weiterzugeben.

Kurt Sonneck, Direktor der Caritas Salzburg, fasst es so zusammen: „Dieses Projekt zeigt, wie stark gesellschaftlicher Zusammenhalt sein kann, wenn Menschen füreinander da sind. Junge übernehmen Verantwortung, Ältere gewinnen Sicherheit – und beide Seiten wachsen miteinander.“
 
Digitalisierung: Chancen und Herausforderungen für ältere Menschen
Die fortschreitende Digitalisierung verändert den Alltag aller Generationen – auch jenen älterer Menschen. Einerseits eröffnen sich neue Möglichkeiten der Teilhabe: Digitale Kommunikation erleichtert den Kontakt zu Familie und Freundeskreis, Telemedizin oder Online‑Banking können Wege ersparen und vieles im Alltag vereinfachen. Gleichzeitig fühlen sich viele Senior*innen von der rasanten technischen Entwicklung überfordert und befürchten, den Anschluss zu verlieren. Komplexe Bedienoberflächen, Unsicherheiten bei Passwörtern und Datenschutz oder die Angst vor Betrug im Internet zählen zu den größten Hürden.
Kurt Sonneck betont dazu: „Damit ältere Menschen von den Chancen der Digitalisierung profitieren können, braucht es verständliche Erklärungen, Zeit und eine persönliche Begleitung. Genau hier setzt unser Projekt ‚Digital dabei!‘ an – es stärkt Sicherheit, Selbstständigkeit und Vertrauen.“
 
Die youngCaritas - Engagement, das verbindet
Die youngCaritas sensibilisiert junge Menschen für gesellschaftliche Themen und lädt zu Workshops und Aktionen ein, bei denen Mitmachen und Nachdenken gleichermaßen gefragt sind. 

Solche Initiativen werden aber erst durch die Unterstützung starker Partner möglich. Ein besonderer Dank gilt dem OeAD (Österreichische Agentur für Bildung und Internationalisierung), der das Miteinander der Generationen im Rahmen des Projekts großzügig fördert, sowie der A1 Seniorenakademie für das informative Webinar. 

Gemeinsam digital stark
„Digital dabei! zeigt eindrucksvoll, wie Digitalisierung Brücken schlagen kann – vorausgesetzt, niemand bleibt allein damit. Mit Geduld, Wissen und echter Begegnung entsteht ein Miteinander, das beide Generationen stärkt und nachhaltig wirkt. Danke an alle Beteiligten – für Zeit, Engagement und Herz“, betont Kurt Sonneck.

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