3 Personen bei einem Fahrzeug mit der Aufschrift "Horizont"

v.l.n.r.: Projektleiterin Melanie Benedikt, Landesrat Wolfgang Fürweger und Caritas-Direktorin Andrea Schmid startet das Mobile Case-Management "Horizont" für einkommensschwache, armutsgefährdete Frauen im Innergebirg.

Horizont - Mobiles Case Management für Frauen

Im Pongau, Pinzgau und Lungau kann die Caritas Salzburg nun speziell Frauen noch stärker beraten, begleiten und unterstützen: „Horizont“ richtet sich an einkommensschwache, armutsgefährdete Frauen. Typische Herausforderungen der Frauen können sein: Betreuungspflichten, geringe Qualifikation, atypische Beschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit oder Wiedereinstieg. Als Drehscheibe möchte die Caritas interne sowie externe Netzwerke nutzen, um die Situation von Frauen in Not nachhaltig zu verbessern – von Gesundheit bis hin zu Finanzen. Besonders am Projekt sind vor allem die längerfristige Begleitung über ein Jahr und das Mobile Case-Management, bei dem Termine dort stattfinden, wo es für die Frauen am besten passt. 14 Frauen werden bereits begleitet.
 
„Horizont setzt genau dort an, wo viele Frauen im ländlichen Raum Salzburgs besonders gefährdet sind, in Armut zu geraten“, erklärt Andrea Schmid, Direktorin der Caritas Salzburg. „Das führt zu finanzieller Unsicherheit und erschwert es ihnen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Unsere Beratung und vor allem nachhaltige und längerfristige Begleitung gibt Frauen die Unterstützung und Ressourcen, die sie brauchen, um wieder Perspektiven zu entwickeln. Horizont schließt damit eine Lücke an flexiblen, mobilen und ganzheitlichen Unterstützungsangeboten in der Soziallandschaft der Region Innergebirg.“

29.000 Frauen im Salzburger Land sind armutsgefährdet. (Armutsgefährdung nach Sozialleistung) (EU-SILC 2025, S.169) Das sind 12 von 100 Frauen. Gründe dafür sind vor allem strukturelle Probleme: Frauen bekommen im Schnitt deutlich weniger Pension (um 41,3 %), arbeiten sehr häufig in Teilzeit (53,3 %, bei Müttern sogar 82,1 %) und sind dadurch oft stärker auf Sozialleistungen angewiesen. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, langzeitarbeitslose Frauen und jene, die mit mehreren Problemen gleichzeitig kämpfen.
 
Andrea Schmid: „Ich freue mich sehr, dass wir hier konkret helfen können – möglich wird das durch Förderungen des Landes Salzburg und der Europäischen Union. Herzlichen Dank!“
 
„Mit Horizont kommt Unterstützung genau dort an, wo sie gebraucht wird: direkt bei den Frauen in den Regionen“, ist Landesrat Wolfgang Fürweger überzeugt. „Das mobile Case Management eröffnet neue Perspektiven, stärkt die Eigenständigkeit und hilft konkret bei Stabilisierung, Arbeit, Ausbildung und Behördenangelegenheiten. Gemeinsam mit dem Europäischen Sozialfonds fördern wir das Projekt, weil es Hilfe zur Selbsthilfe bietet und Frauen im Pongau, Pinzgau und Lungau echte Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben eröffnet.“

„Nach einem  Monat Anlaufzeit und den ersten Beratungen geht das Projekt nun in die zweite Phase“, erklärt Projektleiterin Melanie Benedikt. „Wir ergänzen das Angebot nun mit vielfältigen digitalen Formaten wie einer E-Learning-Plattform, Videos, Podcasts sowie Online-Beratung via Chat, Telefon und Video. Ein besonderer Fokus liegt auch auf dem Aufbau von Gemeinschaft: Workshops, Themenabende und Peer-Gruppen fördern den Austausch und helfen, Isolation zu überwinden. Gleichzeitig ermöglicht eine flexible Kinderbetreuung die Teilnahme auch für Frauen mit Betreuungspflichten, die Übernahme von Fahrtkosten erleichtert die Teilnahme.“

Was bietet Horizont?
Die ganzheitliche Begleitung erfolgt über einen Zeitraum von zwölf Monaten direkt vor Ort – bei Bedarf auch in den eigenen vier Wänden. Dieses mobile Case-Management bringt Beratung direkt in die Lebenswelt der Frauen und überwindet so gezielt soziale und geografische Barrieren. Arbeitsmarktorientierte Angebote wie persönliches Profiling, Bewerbungscoaching, Exkursionen und Qualifizierungsberatung unterstützen den Einstieg oder Wiedereinstieg in das Berufsleben. Ergänzend werden Workshops zu den Themen Finanzen, Recht, Gewaltprävention, Rollenbilder und berufliche Perspektivenentwicklung angeboten.
 
„Bereits 32 Frauen haben sich für das Projekt angemeldet, bei 14 von ihnen hat die Begleitung schon begonnen“, berichtet Melanie Benedikt. „Im mobilen Case Management besuchen wir die Teilnehmerinnen direkt in ihrem Alltag, stabilisieren ihre jeweilige Lebenssituation und erarbeiten gemeinsam Schritt für Schritt Lösungswege. Dabei geht es zunächst um Orientierung und darum, zentrale Problemlagen zu klären.“
Besonders positiv werde die flexible Form der Betreuung aufgenommen: „Viele Frauen sind bereits nach dem Erstgespräch im Büro dankbar, erleben aber vor allem die aufsuchende, mobile Beratung als große Entlastung – sei es zu Hause, beim Spazierengehen oder an einem anderen passenden Ort. Unser Konzept der Flexibilität bewährt sich schon jetzt deutlich.“
Im Juni startet außerdem ein Erzählcafé, das den Austausch unter den Frauen stärken soll. „Die Interessen und Bedürfnisse der Teilnehmerinnen stehen im Mittelpunkt – etwa bei der Auswahl von Workshop-Themen. Wir beziehen sie aktiv ein und entwickeln das Angebot gemeinsam mit ihnen weiter“, so Melanie Benedikt.
 
Der Zugang zum Projekt erfolgt niederschwellig: Über Weitervermittlung durch z.B. die Bezirkshauptmannschaften, durch Vermittlung über Caritaszentren, Lerncafés, Pfarren und mobile Dienste oder über das AMS sowie weitere Netzwerkpartner*innen. Die Frauen können sich auch ganz einfach selbst melden und sich für das Projekt anmelden.

Link zur Horizont Website