Geschichte der Caritas Salzburg

Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums im Jahr 2020 wurde folgende Webseite erstellt: 100 Jahre Caritas der Erzdiözese Salzburg

Am 27. Dezember 1919 gründen Fürsterzbischof Dr. Ignaz Rieder und Prälat Franz Fiala, von 1919 bis 1945 Obmann der Caritas Salzburg, den „Salzburger Landesverband ‚Barmherzigkeit‘-Caritasverband“ als Reaktion auf die große Not angesichts des gerade erst geendeten ersten Weltkrieges.

In der ersten konstitutiven Versammlung im April 1920 wurden die Hilfestellungen, die der Caritasverband Salzburg in Folge leisten will, definiert: Fürsorge für Säuglinge und „Wöchnerinnen“, Fürsorge für Kinder, Fürsorge für Jugendliche, Hilfsdienste für Blinde, Taubstumme und Erwerbsunfähige, Armenfürsorge und Fürsorge für Inhaftierte und Heimatlose. 1920 erwirbt die Caritas Salzburg den Nürnbergerhof am Universitätsplatz 7 als erste Caritas-Zentrale.

1921 übernimmt die Caritas Salzburg das „Traunergut“ in Bruck an der Glocknerstraße und macht es zu einem schönen Ort für Kinder und Jugendliche mit Behinderung. 1922 beziehen die ersten Schwestern, die nunmehr für die Betreuung zuständig sind, das älteste Kinderdorf Österreichs. 1931 wird das „Traunergut“ in „Caritasanstalt St. Anton“ umbenannt.  

In der Zeit von 1929 bis 1938, dieser politisch wie wirtschaftlich unsicheren Zeit, sind die Aufgabengebiete der Caritas Salzburg weit verzweigt: sie kümmert sich um Kinder- und Familienfürsorge, Krankenfürsorge, unterstützt Alkoholkranke, Menschen mit Beeinträchtigungen, Obdachlosen und leistet akute Hilfe in unzähligen punktuellen Problemen.

Unter dem NS-Regime geht die Arbeit der Caritas trotz starker Behinderung und Auflösung von Hilfsorganisationen in den 30er und 40er Jahren weiter: „Nichtarische“ Familien erhalten Hilfe und Auswandererfürsorge. Jüdischen Kindern werden Taufscheine ausgestellt, um sie vor den Nazis zu schützen. Die Abholung und Ermordung einiger Bewohner*innen des Dorfes St. Anton im Zuge des „Euthanasie-Programms“ der Nationalsozialisten konnte nicht verhindert werden.

Die Caritashilfe im Nachkriegs-Österreich ist vor allem Inlandsarbeit: Hilfe für Hungernde, Vertriebene und Kriegsheimkehrer. Nordamerika, die Schweiz, Schweden und andere Staaten unterstützen Österreich mit Geld- und Sachspenden, die Caritas hilft bei der Verteilung. In den ersten Nachkriegsjahren werden mehr als 250.000 Anfragen an den „Zentralen Suchdienst“ der Caritas bearbeitet, 38.000 können positiv erledigt werden. 1948 findet die erste Caritas Haussammlung statt, bei der zahlreiche Freiwillige um Geldspenden für Menschen in Not in der Region bitten. 1950 wird die Hauswirtschaftsschule für Mädchen nach einem schweizerischen Modell in Salzburg gegründet, aus der später die beiden Schulen der Caritas Salzburg hervorgehen. 1948 wird in Innsbruck die erste Caritas-Familienhelferin angestellt, wenig später folgen Graz, Linz, Salzburg und Vorarlberg nach.    

Die „Wirtschaftswunderjahre“ in den 1960ern habe auch unerwünschte Folgen: Menschen, die den neuen Belastungen nicht standhalten, geraten ins Abseits. Die Familienbande werden lockerer, die Anforderungen, vor allem an alleinerziehende Mütter, steigen. Die Caritas reagiert auf die gesellschaftlichen Veränderungen: Individualhilfe und Sozialberatung lösen die Nothilfe der Nachkriegszeit ab. Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Krankenfürsorge und mobile Altenbetreuung werden österreichweit ausgebaut. Zahlreiche Altenwohnheime entstehen.

In den 1970er Jahren strukturiert sich die Caritas Salzburg neu. Es entstehen Referate für sozial-caritative Dienste in den Pfarren und die Caritas Salzburg beginnt sich intensiver in der Auslandshilfe in Zusammenarbeit mit der Caritas Österreich zu engagieren. Es entstehen ein Referat für Behindertenfragen und eine Familienberatungsstelle. Eine Rechtsberatung für Flüchtlinge und eine Schule für Familienhilfe werden ins Leben gerufen. Die Caritas Salzburg betreut außerdem Indochinaflüchtlinge. 1977 wird die Caritas-Schule für Wirtschaft und Soziales gegründet.

In der österreichweiten Caritasarbeit werden in den Achzigerjahren neue Schwerpunkte gesetzt: Besonderes Augenmerk liegt nun auf dem Ausbau der Hilfe für obdachlose oder von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen. 1984 wird ein Obdachlosenhaus in der Alpenstraße 12 eröffnet. Es wird Hilfe und Beratung für Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten angeboten. Auch die Behindertenarbeit wird ausgebaut. 1988 findet der erste Caritas-Bazar statt. Im selben Jahr wird die Caritas Salzburg in „Caritasverband der Erzdiözese Salzburg“ umbenannt und erhält neue Statuten.

Der Zusammenbruch des Ostblocks, der Fall des Eisernen Vorhangs und der Krieg im ehemaligen Jugoslawien lösen seit Beginn der Neunzigerjahre Flüchtlings- und Migrationsbewegungen aus. Die Caritas schickt Hilfslieferungen in die Krisengebiete und richtet gleichzeitig Beratungsstellen und Notunterkünfte für die Flüchtlinge ein. Mittlerweile umfasst die Arbeit der Caritas nahezu den ganzen Bereich des menschlichen Lebens: Kinder-, Behinderten-, Flüchtlings-, Obdachlosen- und Altenwohnhäuser, Mütter- und Familienhilfe, Ausbildungsstätten, mobile und stationäre Altenbetreuung, Palliativdienste, Betreuung von Alkoholkranken und Drogenabhängigen, mobile und stationäre Betreuung von obdachlosen Menschen, Rechtsberatung und Projekte für Langzeitarbeitslose sowie Katastrophen- und Entwicklungshilfe im Ausland. 1992 wird beispielsweise die Fachschule für Altendienste und Pflegehilfe für Berufstätige gegründet, 1995 ein Auslandsreferat mit Schwerpunkt Naher Osten (Syrien, Libanon, Ägypten) ins Leben gerufen, 1996 ein Flüchtlingshaus in der Plainstraße 83 gegründet, 1997 eine Dauernotschlafstelle und 1999 die Jugendnotschlafstelle Exit7 ins Leben eingerichtet.

Die 2000er Jahre stehen für die Caritas Salzburg für vielfältigstes Engagement in Stadt und Land Salzburg sowie im Nahen Osten: 2001 wird die SOALP, ein Projekt für trockene Alkoholikerinnen, initiiert. 2002 werden die Caritas Zentren Neumarkt, Saalfelden, Bischofshofen und Tamsweg gegründet. Zudem starten 2002 die Höhere Lehranstalt für Sozialberufe, das erste Streetwork-Projekt in Hallein und das Projekt „Don’t wait“, das Deutschkurse für Asylwerber*innen anbietet. 2003 wird das erste Palliativ- und Hospizteam im Pinzgau ins Leben gerufen und Flüchtlingsprojekte in Syrien aufgrund des Irakkrieges sowie ein Straßenkinderprojekt im ägyptischen Alexandria initiiert. Das Palliativ- und Hospizteam Pongau folgt im Jahr 2004 nach. Im selben Jahr eröffnet die Caritas Salzburg das Tageszentrum Mittersill für Menschen mit Behinderung und übernimmt die Grundversorgung für Flüchtlinge im Auftrag des Landes Salzburg. 2005 ruft sie das Caritas Zentrum St. Johann in Tirol und das Palliativ- und Hospizteam Lungau ins Leben und leistet Tsunami-Hilfe für Küstenbewohner rund um den Indischen Ozean. 2006 übernimmt die Caritas Salzburg die ehemalige „Altenpension Ebner“ und richtet sie für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen ein. Im selben Jahr wird die youngCaritas gegründet und die Schule für Sozialbetreuungsberufe gegründet. 2008 eröffnet die Caritas Salzburg den Mathiashof, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung im Fuschler Ellmautal. Seit 2008 gibt es auch ein Palliativ- und Hospizteam in der Stadt Salzburg und einen carla mit Sozialmarkt in St. Johann in Tirol.

Die Jahre 2010 und folgende stehen unter dem Stern des freiwilligen Engagements und der Katastrophenhilfe: Nach dem Erdbeben in Haiti mit etwa 250.000 Toten und der Flutkatastrophe in Pakistan 2010 mit etwa 13 Mio. Betroffenen leistet die Caritas Salzburg Soforthilfe. 2010 initiiert die Caritas Salzburg zudem ein Wohnprojekt für Straßenmädchen in Ägypten. Für die Menschen, die von der Hungerkatastrophe in Ostafrika im Jahr 2011 betroffen sind, spenden Salzburgerinnen und Salzburger mehr als 800.000 Euro. Auch für syrische Flüchtlinge, die im Zuge der Flüchtlingswelle 2012 nach Salzburg gekommen sind, leistet die Caritas Salzburg Nothilfe. Im Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 eröffnet die Caritas Salzburg drei neue Freiwilligenzentren in Zell am See, Bischofshofen und Tamsweg und das erste Lerncafé in der Stadt Salzburg.

2012 bestellt Erzbischof Alois Kothgasser Mag. Johannes Dines zum neuen Direktor der Caritas Salzburg. Im selben Jahr werden das Jugendbeschäftigungsprojekt easy ins Leben gerufen, ein Tageszentrum für Straßenkinder in Alexandria und ein Asylquartier im Dorf St. Anton eröffnet.

Bei der Hochwasserkatastrophe 2013 in Österreich werden mehr als 600.000 Euro an Betroffene ausbezahlt. 2014 eröffnet die Caritas Salzburg in der ehemaligen Landespflegeanstalt Mülln eine Unterkunft für 40 syrische Kriegsflüchtlinge und ein Winternotquartier in der Rudolf-Biebl-Straße. 2015 hält die Caritas Salzburg eine Mahnwache zum Massensterben von Flüchtlingen im Mittelmeer und bittet um Spenden für die vom verheerenden Erdbeben in Nepal betroffenen Menschen. Außerdem startet 2015 PAPAGENO - das mobile Kinderhospiz. Die Flüchtlingswelle erreicht Salzburg. Täglich stranden tausende Menschen am Salzburger Hauptbahnhof. Die Caritas Salzburg ist mit 1.600 Helfer*innen vor Ort. 2016 eröffnet das Tageszentrum Elixhausen für Menschen mit Behinderung sowie das Haus Franziskus, das Notschlafstelle, Notquartier und Logistikzentrum vereint. Die Galerie Ropac organisiert eine Charityvernissage zugunsten des Hauses Franziskus, bei der rund 100.000 Euro für wohnungslose Menschen zusammenkamen.

Wir>Ich wird 2016 neue Caritas Dachkampagne und soll sich verbindend auf die österreichische Gesellschaft auswirken.

2017 startet das Projekt Calimero zur Unterstützung von Familien mit Kleinkindern, 2018 das Pilotprojekt „Persönliche Assistenz“ für 20 Menschen mit Behinderung. Im selben Jahr werden die gemeinnützige Fahrradwerkstatt carlavelorep und das Albertus-Magnus-Haus für Menschen mit chronifizierten psychiatrischen Erkrankungen eröffnet.

2019 findet der große Umzug statt: 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas Salzburg ziehen von verschiedenen Räumlichkeiten und Häusern in der Innenstadt in die neue Caritaszentrale in der Friedensstraße 7 gegenüber dem Zentrum Herrnau. Barrierefreiheit, Energieeffizienz und offene Arbeitsbereiche zeichnen das neue Haus aus. Alle Bereiche der Caritas Salzburg sind nun an einem Ort gebündelt, so sind schnelle Kommunikation und rasche Hilfe bestens gewährleistet.

Ein weiterer Meilenstein im Jahr 2019 ist die Eröffnung des Hauses Elisabeth in der Plainstraße in der Stadt Salzburg. Das Haus ist ein Ort der Hilfe, Begegnung und menschlichen Wärme für Menschen in Not. Dort, wo einstmals die traditionsreiche Elisabethbühne die Menschen anzog, finden heute Notleidende professionelle Beratung, ein Tageszentrum, in den Sommermonaten eine Kulturstätte und im Winter eine Notschlafstelle.

Im Februar 2020 feiert die Caritas mit dem „Tag der offenen Augen“ im Bildungszentrum St. Virgil ihr 100jähriges Bestehen.

Die Coronakrise nimmt im Frühjahr 2020 ihren Anfang: Die Sozialberatungsstellen sind so voll wie nie – die Armut ist mitten in der Gesellschaft angekommen. Die Caritas Salzburg hilft mit einer großangelegten Lebensmittelaktion in der gesamten Erzdiözese und ruft einen Solidaritätsfonds ins Leben. Damit werden Menschen finanziell unterstützt, die Corona durch Jobverlust und Kurzarbeit getroffen hat.

2021 feiert das Dorf St. Anton als älteste Einrichtung der Caritas Salzburg sein 100-Jahr-Jubiläum