Syriens Kinder malen Bilder vom Krieg

29.06.15 / 13:25

Mitarbeiter der Caritas haben syrische Kinder aufgefordert, ihre größten Ängste zu zeichnen. Das Resultat sind erschütternde Bilder, die deutlich machen, welche seelischen Verletzungen der Krieg in den Kindern zurücklässt.

Das psychosoziale Team der Caritas Syrien arbeitet seit Februar 2015 mit Kindern an Schulen in Jaramana. Dieser Vorort von Damaskus wurde seit Ausbuch des Krieges besonders stark bombardiert. Dreimal wöchentlich kommt das Team in die Schulen und spricht mit den Kindern. Im Rahmen dieser Trauma-Arbeit wurden die Kinder gebeten, Bilder zu zeichnen und auszudrücken, was ihnen am meisten Angst macht.

  • Al-Wafa Baakar (15 Jahre alt)

  • Alaa Kadamani (13 Jahre alt)

  • "The most difficult feeling is to loose your brother. My mum and me in my brother's funeral."

    Velita Ballo (13 Jahre alt)

    "The most difficult feeling is to loose your brother. My mum and me in my brother's funeral."

  • "No for children's killing. No for explosions! No no no!"

    Nara Hamcho (13 Jahre alt)

    "No for children's killing. No for explosions! No no no!"

  • Yassmine Al-Aghawani (13 Jahre alt)

  • "Killing Terrorism"

    Arij Yassmine (13 Jahre alt)

    "Killing Terrorism"

  • Jilan Al-Houssein (13 Jahre alt)

  • "I am affraid of the future and of separation of my beloved ones"

    Rania Aldalli (15 Jahre alt)

    "I am affraid of the future and of separation of my beloved ones"

  • Ayat Shitwi (15 Jahre alt)

  • "Syria is bleeding"

    Mireille Kamleh (15 Jahre alt)

    "Syria is bleeding"

  • "I want to live in peace. Enough blood. The martyr Hisham El-Ali RIP"

    Bushra Al-Ali (16 Jahre alt)

    "I want to live in peace. Enough blood. The martyr Hisham El-Ali RIP"

Sandra Awad von der Caritas Syrien erzählt

Vor zwei Monaten bat mich eine Französische Malerin, ihr Zeichnungen von syrischen Kindern für ihre jährliche Ausstellung zu schicken. Ich bat unser psycho-soziales Projektteam um Hilfe, das seit Februar 2015 in vier Schulen in Jaramana nahe Damaskus tätig ist. Mir war bewusst,dass diese Gegend seit Beginn des Krieges oft bombardiert worden war. Außerdem haben sich hier viele Vertriebene aus den Krisenherden des Bürgerkriegs angesiedelt.

Unser Team besucht die Schule dreimal pro Woche und arbeitet dort an zwei Filmen zum Thema Traumaheilung und Friedensbildung. Die Mitarbeiter des Teams veranstalten zahlreiche Aktivitäten für die Kinder, z.B. Spiele zur Persönlichkeitsbildung, Handarbeiten oder Zeichnungen, in denen die Kinder ihre Emotionen ausdrücken können. Das Team versucht auch, einen Rahmen zu schaffen, in dem die Kinder ihre Gefühle offen ausdrücken können.

"Ich habe das Team gebeten, die Kinder nicht dazu aufzufordern, den Krieg zu zeichnen, sondern jene Dinge, die ihnen am meisten Angst machen."

Als ich die Zeichnungen erhielt, war ich schockiert! Ich hatte erwartet, unter den vielen Bildern jene herausfiltern zu müssen, die sich mit dem Krieg befassen, doch genau das Gegenteil war der Fall: Ich fand kein einziges Bild, das sich nicht mit dem Krieg auseinandersetzt.

Was mir gleich danach auffiel, war die rote Farbe, mit der fast alle Kinder Blut und Gewalt in ihren Bildern ausdrückten.

Ich war sehr überrascht, als ich herausfand, dass alle Zeichnungen von Mädchen stammen. Normalerweise spielen Buben öfter Krieg als Mädchen und drücken Gewalt drastischer aus. Aber die Zeichnungen, die ich von den Mädchen erhielt waren sehr blutig und voller Gewalt und ich denke, dass sie bei Buben noch dramatischer ausgesehen hätten.

Interessant finde ich auch, dass nicht alle Kinder direkt mit dem Krieg in Kontakt waren - manche kommen aus stärker betroffenen Gegenden als andere. Trotzdem zeichnen alle Kinder den Krieg auf die selbe Art und Weise.

"Nachdem ich diese Bilder gesehen habe ... was kann ich über die Kinder in meinem Land sagen?"

Syriens Kinder sind vermutlich die verwundbarsten Opfer dieses Krieges. Sie erinnern mich an saubere Schwämme, die den ganzen Schrecken und den Schmutz des Krieges aufsaugen und ihn tief in sich speichern. Das Sterben, die Zerstörung, die Angst, ihre Familie zu verlieren ... all das tragen sie tief in ihren unschuldigen Herzen. Die wichtigste Frage aber ist: Was werden diese schlimmen Dinge im Inneren der Kinder anrichten? Und wie wird ihre Zukunft aussehen?

Hunger, Krieg, Flucht

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