Eine alte Frau lehnt sich an die Schulter einer Pflegerin der Caritas.

"Manchmal muss man einfach tricksen, es geht nicht anders."

Bei der Mutter von Frau K. wurde vor 3 Jahren Demenz vom Alzheimertypus diagnostiziert. Seither kümmert sich die in Salzburg tätige Lehrerin hingebungsvoll um ihre in Braunau lebende Mutter.

Über die Herausforderungen, die diese Aufgabe mit sich bringt und wie ihr der EduKation@ Kurs der Caritas Salzburg dabei geholfen hat, diese zu bewältigen, erzählt sie Ines Hickmann von der Caritas Salzburg.


Wie unterstützen Sie Ihre Mutter?
Ich kümmere mich um meine Mutter seit Beginn des Auftretens der Alzheimerkrankheit. Seit einem halben Jahr bin ich zudem ihre gesetzliche Erwachsenenvertretung (ehem. Sachwalterschaft). Ich organisiere ihr gesamtes Leben mit allem was dazugehört: Ich kümmere mich um ihre Finanzen und um den Haushalt, erledige Einkäufe, gehe mit ihr zum Arzt, kaufe Medikamente und Gewand für sie ein. Meine Mutter lebt allein in Braunau, ich bin Lehrerin in Salzburg. Ich bin mindestens einen Wochentag bei ihr, um alle Erledigungen machen zu können. Wir telefonieren aber mehrmals die Woche miteinander. Ich halte auch Kontakt zu ihren Freundinnen, um Treffen mit ihnen und meiner Mutter zu vereinbaren. Zudem kommt jeden Morgen die Volkshilfe, um meiner Mutter ihre Medikamente zu geben und zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Das ist eine große Hilfe.


Wie hat sich Ihre Mutter durch die Krankheit verändert?
Mit der Krankheit einher ging die absolute Vergesslichkeit. Besonders ist das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Sie leidet auch unter Wahnvorstellungen. Sie denkt beispielsweise, dass fremde Leute bei ihr in der Wohnung waren und ist sehr misstrauisch. Aber auch charakterliche Veränderungen lassen sich beobachten. Die negativen Eigenschaften verstärken sich mit der Krankheit – das ist nicht immer leicht. Weiters hat ihre Feinmotorik enorm nachgelassen. Sie macht kleine, unsichere Schritte, kann nicht mehr gut schreiben und keine Reißverschlüsse oder Schuhe mehr zumachen. Auch das Busfahren ist nicht mehr möglich, weil ihr die Orientierung fehlt.  

Was sind die Herausforderungen in der Pflege Ihrer Mutter?
Die größte Herausforderung ist die emotionale Belastung. Aber auch der zeitliche und organisatorische Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Ich bin ihr einziges Kind, auf mir bürdet die ganze Last.

Was sind Lichtblicke?
Ab und zu gibt es ein Danke: „Danke, dass du dich um mich kümmerst oder dass du dies oder jenes für mich gemacht hast.“ – Das freut einen dann schon.

Sie haben den EduKation@ Kurs der Caritas Salzburg besucht: Was hat Ihnen der Kurs gebracht? Würden Sie den Kurs weiterempfehlen?
Ich habe im Frühjahr den EduKation@ Kurs der Caritas besucht. Ich habe viel Neues zum Thema Demenz erfahren und wurde in meinem Tun bestätigt. Sehr viel haben mir auch die Tipps und Tricks im Umgang mit dementen Angehörigen geholfen – weil manchmal muss man einfach tricksen, es geht nicht anders. Der intensive Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen ist unglaublich wertvoll. Man konnte offen über all seine Probleme reden und merkte, dass man mit diesen Problemen nicht alleine ist. Alles in allem hat mir der Kurs sehr viel gebracht, ich kann ihn nur wärmstens weiterempfehlen.

 
Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste im Umgang mit einem an Demenz erkrankten Familienmitglied? 
Man braucht eine Fülle an Dingen: Man braucht praktische und emotionale Hilfe von außen. Unterstützung finanzieller Natur, aber auch durch Ärzte und Pfleger. Außerdem braucht man unglaublich viel Geduld, Nerven und Einfühlungsvermögen. Gottseidank hat mir Gott Humor und gute Freunde geschenkt – das hält mich in dieser schwierigen Situation über Wasser.