Katastrophenhilfe der Caritas beim Hochwasser 2013 in Kössen. Die Caritas zahlt Soforthilfe an die Betroffenen aus.

Sterbebegleitung statt Sterbehilfe

19.10.20 / 10:00

Die Entwicklung in manchen europäischen Ländern, in denen Euthanasie und assistierter Suizid legalisiert wurden, erfüllt uns als Caritas mit Sorge. Wenngleich in Österreich bis heute - insbesondere in der Ärzteschaft - ein relativ breiter Konsens zum Thema der aktiven Sterbehilfe herrscht, so ist auch hierzulande in den Medien und in der öffentlichen Diskussion zunehmend der Ruf nach Tötung auf Verlangen vernehmbar. Dabei wird immer von besonders tragischen Einzelfällen aus argumentiert, die den Wunsch, sterben zu können, nachvollziehbar machen. Dies jedoch gesetzlich zu legitimieren, öffnet die Büchse der Pandora. Die Caritas Salzburg vertritt die Grundhaltung, die Kardinal König mit folgendem Satz auf den Punkt gebracht hat: „Nicht durch die Hand, sondern an der Hand soll ein Mensch sterben.“


Den Tagen mehr Leben geben

Die mobilen Palliativteams der Caritas Salzburg arbeiten im Sinne von Cicely Saunders (1918-2005). Sie war englische Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin, Begründerin der modernen Hospizbewegung und der Palliative Care sowie Pionierin der Palliativmedizin. Sie sagte: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ 


Johannes Dines, Direktor der Caritas Salzburg: „Die Begleitung von schwer kranken und sterbenden Menschen ist eine christliche und menschliche Aufgabe. Es geht auch darum, das Sterben zu leben und annehmen zu können. Wenn eine Gesellschaft Sterbehilfe, egal welcher Form, erlaubt, öffnet sie eine Tür, die das Recht auf Leben bis zum letzten Atemzug einschränkt und sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Betroffene und deren Angehörige massiv unter Druck setzt. Die geforderte Selbstbestimmung kann so zu einer "Kultur des Todes" werden. Tötung ist kein richtiger Umgang mit dem Sterben. Die Antwort darauf kann nur der flächendeckende Ausbau der stationären und mobilen Hospiz- und Palliativversorgung sein. Diesbezügliche im Regierungsprogramm der Bundesregierung verankerte Ziele sind daher rasch umzusetzen.“


Elisabeth Ebner, Caritas Fachbereichsleiterin Mobile Dienste: „Der Tod hat in unserer Kultur leider nach wie vor keinen oder sehr wenig Platz. Wir müssen es schaffen den Tod als einen Teil unseres Lebens zu betrachten, uns damit auseinanderzusetzen, um ihm den Schrecken zu nehmen. Wir müssen gegenüber der Politik und unseren Fördergebern hier die Anwaltschaft übernehmen, indem wir zum Beispiel für den bedarfsdeckenden Ausbau unserer mobilen Palliativteams plädieren. Oder indem wir Menschen, die aus ihrer Not heraus den Tod dem Leben vorziehen, durch Angebote eine Perspektive bieten. Wir müssen für das Leben als wertvollstes Gut in unserem Rahmen Bedingungen schaffen, die Würde und Lebensqualität bis zum Ende ermöglichen. Menschlichkeit, Empathie, Raum und Zeit schenken, Nähe zulassen, Gespräche führen, Schweigen, Trauer und Tränen aushalten aber auch die Momente für gemeinsames Lachen möglich machen – all das machen unsere Palliativteams.“


Franziska Angerer und Christine Amschler leiten die Palliativteams der Caritas in der Stadt Salzburg, im Tennengau und im Flachgau: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschreiben ihre Arbeit mit den Worten ‚begleiten, Gutes tun, da sein, teilnehmen, anbieten, wertschätzen, unvergesslich, einfühlsam, ehrlich, zuhören, auffangen, lindern, flexibel, kompetent, empathisch, …‘. In der heutigen Gesellschaft ist es leider nicht selbstverständlich, über Tod und Sterben zu reden und vor allem Angehörige dabei zu begleiten. Unser interdisziplinäres Team, bestehend aus Palliativärzten, diplomiertem Palliativpflegepersonal und einer Sozialarbeiterin, kümmert sich um eben diese Patientinnen und Patienten, die in der häuslichen Betreuung sterben wollen, in den eigenen vier Wänden, in der vertrauten Umgebung und im Kreise ihrer Lieben. Die Erhöhung der Lebensqualität steht im Mittelpunkt. Die Linderung von Leitsymptomen (wie z.B. Schmerzen, Unruhe, Übelkeit, …), Beratung, Begleitung, Schnittstellenarbeit sind die Hauptaspekte unserer Arbeit.


Das Angebot ist kostenfrei, ist aber leider noch nicht bedarfsdeckend.

Die Frage nach Sterbehilfe stellt sich bei unseren Patientinnen und Patienten kaum, da wir in unserer Arbeit auf die Individualität eines Jeden aus verschiedenen Aspekten eingehen und durch die Betreuung die Angst vor dem Sterben nehmen. Die meisten Leitsymptome können wir auch im häuslichen Umfeld, in guter Zusammenarbeit mit An- und Zugehörigen und weiteren Betreuungseinrichtungen lindern."


Gabriela Oberegger, ärztliche Leiterin der Caritas Salzburg, rät zu Sensibilität und Bedacht bei diesem komplexen Thema: „Ich habe nicht das Recht zu urteilen. Niemand kann sich die Verzweiflung und den Leidensdruck eines Patienten vorstellen, der den Tod seinem Leben vorzieht. Selbst als Ärztin kann ich das nicht. Ich habe keinen Einblick in das Ausmaß seines jeweiligen Schicksals. Ich persönlich - als bekennende Katholikin und Ärztin - kann mir aber nicht vorstellen, selbst aktive Sterbehilfe zu leisten. Im Sinne von Cicely Saunders wollen wir den Tagen unserer Patientinnen und Patienten möglichst viel Leben und Schönheit geben und ihnen ein Sterben in Würde in den eigenen vier Wänden ermöglichen.


Die Palliativteams der Caritas Salzburg

Die mobilen Palliativteams der Caritas unterstützen und kümmern sich um die Begleitung von schwer kranken und auch sterbenden Menschen sowie um deren Angehörige. Wir bieten hier eine ganzheitliche Betreuung, in deren Mittelpunkt die Lebensqualität für Patient*innen und die Entlastung für Angehörige steht. Die Palliativteams bestehen aus Palliativärzt*innen und diplomierten Palliativpflegefachkräften. Wir arbeiten eng mit den Hausärzten, den Pflegediensten und den ehrenamtlichen Hospizbegleiter*innen sowie dem Raphael-Hospiz und dem Tageshospiz zusammen.


Die mobilen Palliativteams unterstützen kostenlos im gesamten Bundesland Salzburg, finanziert vom Land Salzburg und aus Spenden der Caritas.