Katastrophenhilfe der Caritas beim Hochwasser 2013 in Kössen. Die Caritas zahlt Soforthilfe an die Betroffenen aus.

Palliativarbeit – Begleitung in der letzten Phase des Lebens

12.06.19 / 09:12

Palliativarbeit betreut und begleitet schwerkranke Menschen in der letzten Lebensphase. Im Bundesland Salzburg übernehmen mehrere, regional angesiedelte „Mobile Palliativteams“ der Caritas Salzburg diese wichtige Aufgabe. Sie ermöglichen es, dass Menschen mit chronischen und nicht mehr heilbaren Krankheiten, so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Wir haben die KollegInnen zu ihrer Arbeit befragt.

Die folgenden Zitate sind aus den Antworten und im Sinne der Lesbarkeit gekürzt sowie anonymisiert:

Was macht die Arbeit für dich aus?

„Unsere PatientInnen sind dankbar und deshalb ist unsere Arbeit so bereichernd für mich. Am Lebensende beschränkt es sich bei fast allen auf das Wesentliche: Egal ob Arzt oder Hausfrau – jeder muss den gleichen Weg beschreiten und wir dürfen ein Wegbegleiter sein. Das und die Dankbarkeit, die zwischen und über allem steht, macht diese Arbeit für mich so bereichernd.“

Wie fällt die Berufswahl auf die fordernde Arbeit der Begleitung am Lebensende?

„Nach vielen Jahren auf zwei verschiedenen Intensivstationen konnte ich immer weniger damit umgehen, dass das Leben künstlich aufrechterhalten wurde – ohne Rücksicht auf Alter, Erkrankung, persönliches Umfeld, Wünsche des Patienten oder Angehörige etc. Es wurde für mich immer schwieriger mit dieser Tatsache umzugehen. Ich habe während dieser Zeit eine Zusatzausbildung in Palliativpflege gemacht. Der Schritt in die Palliativarbeit war danach eine natürliche Folge, die ich bis heute nicht bereut habe.“

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„Nach vielen Erfahrungen dazu, wie das Sterben nicht sein soll, war es schon lange mein Wunsch, in diesem Bereich tätig zu werden.“

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„Jeder Mensch muss diesen Weg gehen ohne Ausnahme und dies macht mir persönlich wieder klar – wie unwichtig eigentlich materielle Dinge sind. Vielmehr sollte die eigene Zeit „gelebt“ werden!"

Worüber sind die PatientInnen euch gegenüber dankbar (abgesehen von der medizinischen Versorgung)?

„Darüber, dass wir uns Zeit nehmen für sie und ihnen zuhören. Darüber, dass wir sie nicht bewerten oder verurteilen und die PatientInnen dadurch ihre Ängste, Zweifel und Sorgen im Vertrauen äußern können.“
„Über die Zeit, die Zuwendung und Aufmerksamkeit die wir ihnen geben können.“

Worauf hoffen Menschen am Lebensende?

„Vielfältig sind die Wünsche am Ende des Lebens: Nicht alleine zu sein; keine Angst und keine Schmerzen zu haben; die Angehörigen versorgt zu wissen; dass die Angehörige und Partner/in auch ohne sie mit dem Leben fertig werden; zu Hause zu sterben; die Hoffnung, dass das Leben nach dem Tod weitergeht; dass es da noch etwas gibt; geistlichen Beistand …“

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„… Aber auch der Wunsch “Ich will nicht mehr kämpfen“. Manche wollen sich zurückziehen und alleine sein. Das ist manchmal schwierig aber auch das muss man respektieren und akzeptieren.“

Was hat dich bei deiner Arbeit besonders bewegt?

„Mein „allererster Palliativ-Patient“, bei dem ich unmittelbar und bewusst beim Sterben anwesend war, ist mir immer noch deutlich in Erinnerung: Er war ca. 50 Jahre alt hatte eine sehr glückliche Beziehung mit seiner Lebensgefährtin. Ich kannte ihn seit ca. einem Jahr, da er durch seine Erkrankung immer wieder bei uns auf der Station war (damals noch Krankenhaus). Ich verstand mich mit ihm und seiner Lebensgefährtin sehr gut.

Bei einem meiner ersten Nachdienste überhaupt nach der Ausbildung war auch er bei uns und wir wussten, dass es zu Ende gehen wird. Bei meinem ersten Durchgang haben mir die beiden gemeinsam erzählt, dass sie über alles gesprochen haben und er jetzt beruhigt sterben kann. Während der Nacht wurde er dann immer schwächer. Gegen 5 Uhr am Morgen klingelte seine Lebensgefährtin. Als ich ins Zimmer kam, saß seine Lebensgefährtin am Bettrand und hielt seine Hand. Er öffnete die Augen, suchte mich und sagte: „Jetzt sterbe ich!“ Und er starb! Glücklich! Zufrieden! Im Beisein seiner Liebsten! Und er wusste es!“

“Das Leben und die Zeit vergehen schneller als man denkt. Einige Wünsche bleiben dabei unerfüllt. Oftmals sind das zum Beispiel Reisen oder ungenützte Situationen. Aber auch das Gefühl, zu viel gearbeitet zu haben und zu wenig Zeit für sich selbst gehabt zu haben, werden manchmal genannt. Einige sind auch belastet von Streitigkeiten in der Familie.“

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„Es kommt vor, dass PatientInnen unzufrieden mit einem Lebensabschnitt waren. Ich versuche, wenn möglich auch zu vermitteln. Das ist aber nicht immer leicht. Manche Probleme können leider nicht mehr gelöst werden …“

Was hast du durch deine Arbeit über das Leben erfahren?


„Den Tod als Teil des Lebens zu sehen, Wertigkeiten im Leben zu setzen, bewusster und achtsamer durch das Leben zu gehen, das Leben zu genießen …“

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„Lebe dein Leben - man hat nur eins! Genieße den Augenblick – er ist so schnell vorbei!"

Die Palliativarbeit der Caritas Salzburg ist für PatientInnen kostenlos.Die mobilen Palliativdienste werden aus Förderungen durch das Land Salzburg, Krankenkassen und