Standpunkt.Blog

Jahrhundertelang wurde in Europa um Humanismus und Demokratie gekämpft

Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir Menschen dazu „verdammt“ sind, alle Erfahrungen selbst zu machen und nicht auf den Weisheiten der Generationen vor uns aufzubauen. Jahrhundertelang wurde in Europa um Humanismus und Demokratie gekämpft. Immer wieder habe ich von der Kriegsgeneration gehört: „Nie wieder Diktatur und Krieg!“ – Und die anschaulichen Erzählungen über unsägliches Leid und millionenfachen Tod haben motiviert, sich für eine bessere Gesellschaft einzusetzen. In diesem Kontext haben wir auch verstanden, welchen Hintergrund der Wunsch hat: „Euch soll es einmal besser gehen!“.

Und heute? Vieles davon ist vergessen, geschichtliche Fakten werden zu Fakes verzerrt, sozial Engagierte als naive „Gutmenschen“ diffamiert und die Logik der Sündenböcke ist gesellschaftlich akzeptiert – Hören wir auf die Erfahrungen der älteren Generation. Ihre Geschichten sind authentisch, berührend, mahnend und oftmals von Dankbarkeit für das erfüllt, was das Leben schenkt und manchmal auch zumutet. Das im Magazin beschriebene Projekt „J.A! – Jung trifft Alt“ ist ein Beitrag, gegen Geschichtsvergessenheit anzukämpfen. Alten Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen, ist mehr als Pflichterfüllung. In vielen Kulturen hatte und hat das Alter einen hohen Stellenwert. Die aktuelle demografische Entwicklung wird trotz politischer Beschwichtigungsversuche den Generationenvertrag zunehmend unter Druck bringen.

Aus welchem Blickwinkel werden wir uns den in dieser Ausgabe beschriebenen Herausforderungen nähern? Werden Altersarmut, Demenz, Vereinsamung, Pflegebedarf usw. mit der ökonomischen Brille und als belastender Kostenfaktor gesehen? Oder sind alte Menschen für uns als Gesellschaft eine große Bereicherung und ein Geschenk, durch das wir immer wieder neu Bescheidenheit, Dankbarkeit, Demut und Lebensfreude lernen können? Als Caritas setzen wir uns mit unseren vielfältigen Angeboten genau dafür ein.