Bericht Mag. Veronika Neuhauser, HBLA Wels

Eine Reise in die Achse des Bösen?

Gebäude Terre des Hommes in Damaskus von aussen.

Eine Reise nach Damaskus - direkt in die "Achse des Bösen": Was daran wirklich sehenswert ist? - So manche Freunde und Bekannten konnten mein Interesse an dieser Reise nicht verstehen. Aber wie jede der Solidaritätsreisen mit Stefan Maier von der Caritas Salzburg wurde auch diese ein absolutes Erlebnis!

Gleich nach der Ankunft erwartete man uns bei Terre des Hommes, der lokalen Partnerorganisation der Caritas Salzburg, im Stadtteil Bab Touma. Hätte Stefan uns alleine dorthin geschickt, so hätten wir sicher den Eingang in den verwinkelten engen Gassen nicht gefunden! Der Empfang war so herzlich und warm, dass wir gleich mitgerissen wurden und natürlich gespannt auf die diversen Projekte waren, die wir in der Folge besuchen sollten.

Tragische Flüchtlingsschicksale

Einige Programmpunkte dieser Reise beeindruckten mich ganz besonders!
Auf alle Fälle waren die Besuche bei den irakischen Flüchtlingsfamilien ein äußerst einschneidendes Erlebnis! Die unglaublichen Berichte der Leute, ihre Geschichten über die Flucht und die vorangegangenen  Erlebnisse waren für uns zum Teil nur schwer zu "verdauen". Aber gerade durch diesen direkten Kontakt mit den Menschen bekamen wir einen sehr authentischen Eindruck von dem, was sich im Irak tatsächlich abspielt und kamen zu der Erkenntnis, dass die Zeitungsberichte bei uns nur über einen Bruchteil der traurigen Wirklichkeit berichten.

Die Kinderkrippe für sudanesische Flüchtlingskinder war ein weiterer Programmpunkt, der sich in mein Gedächtnis eingeprägt hat! Betreuerinnen wie Kinder strahlten trotz der höchst bescheidenen Umstände so eine Zufriedenheit und Lebensfreude aus, dass es direkt beschämend für unsereins war. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, in dem sich alle Solidaritätsreisen, die ich bislang mit der Caritas Salzburg mitgemacht habe, ähneln: Ich bekomme die Gelegen-heit, meine "Werte" wieder einmal zu überdenken und es wird mir jedes Mal bewusst, dass die Werte in unserer Luxuswelt oft reichlich wenig mit den wahren Werten eines Lebens gemein haben. So einfach die Lebensumstände auch sein mögen, Glück und Zufriedenheit sind niemals von Reichtum abhängig - eine Erkenntnis, die mir immer wieder gut tut.

Drei Flüchtlingskinder

Ein Ort der Liebe und Hoffnung

Einen Freitagvormittag bei Terre des Hommes (TDH) zu erleben, ist auch etwas ganz Besonderes: Da gibt es Frühstück, Spiel und Zeit zum Tratsch für beeinträchtigte Kinder und Erwachsene. Da wird geblödelt und gelacht, und der gesamte Innenhof des Zentrums lebt und "wurlt". Wenn man als gesunder Mensch  diese zum Teil so schwerstbehinderten Menschen mit ihren strahlenden Augen und ihrer Lebensfreude sieht, dann ist das schon wirklich mitreißend!

Das Zentrum für spastisch behinderte Kinder von TDH zu sehen, war ebenfalls ein beeindruckender Programmpunkt und es hat mich ganz besonders gefreut, Jean-Marie, den Koordinator dieses Projektes, wieder zu treffen, den ich bereits aus dem Libanon kannte. Er und alle anderen Leute, die dort arbeiten, haben so eine "persönliche" Begeisterung für jedes einzelne ihrer Kinder und freuen sich über jeden noch so kleinen Erfolg ihrer Patienten, dass dies einfach inte-ressant zum Anhören und Ansehen ist.
Ich könnte noch viel über diverse andere Programmpunkte und Projekte berichten, die faszinierend und spannend waren, wie zum Beispiel der Besuch in einem Frauenhaus der Schwestern vom Guten Hirten oder unser Treffen bei UNHCR (dem Flüchtlings-hochkommissariat der Vereinten Nationen), die Einladung bei der österreichischen Botschafterin, Frau Kunz, usw., aber dann würde dieser Bericht viel zu lange werden.

Eine Betreuerin mit einem Kind beim Spielen bei Terres des Hommes.

Touristische Highlights ergänzen das interessante Reiseprogramm

Die Reisegruppe beim Teetrinken in der Wüste.

Wer im Übrigen jetzt den Eindruck bekommen hat, dass wir nur auf den Spuren der Caritas unterwegs waren, der hat sich gründlich getäuscht! Auch ein Stefan wird älter und abgeklärter und erkennt, dass die Leute, die ihn auf so einer Reise begleiten, auch ein wenig "Touristen" sein möchten. Was ich somit sagen möchte, ist, dass wir diesmal durchaus genügend Zeit und Gelegenheit hatten, Attraktionen wie Palmyra, Krak des Chevaliers, Maaloula oder Bosra zu besichtigen - wunderschöne Plätze in einem faszinierenden Land!


Diese Tage waren wieder einmal ein einzigartiges Erlebnis und ich danke meiner Direktorin, Frau Mag. Brigitte Geibinger, dass ich die Gelegenheit erhalten habe, eine Woche frei zu nehmen, um diese einmalige, beeindruckende Reise zu machen. Davon zehre ich wieder jahrelang und erhalte Motivation, Antrieb und Kraft, um unsere Schüler/innen davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, auch an Menschen in fernen Ländern zu denken, die dringend unserer Unterstützung bedürfen.
             
 Mag. Veronika Neuhauser (HBLW Wels)

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