Bericht Mag. Sabine Salzmann, Kronenzeitung
Das Tor zum Leben
Solidaritätsreise 2009 nach Damaskus
Bericht von Sabine Salzmann, Kronenzeitung
Syrien, einst arabische Hochkultur und geknickt im Nahost-Konflikt um die Golan-Höhen. Seit auch noch mehr als eine Million irakische Flüchtlinge das Land überschwemmen, krankt die Metropole Damaskus. Die Caritas Salzburg hilft hinter dem bröckelnden Putz längst vergangener Zeiten und gibt Kindern ihr Lächeln zurück.
Zwischen Verzweiflung und Hoffnung
Eine heimatlose, irakische Familie wie hunderttausende andere auch. Über Nacht flüchtete sie nach Syrien, das als einziger Nachbarstaat seine Grenzen offen hielt. Vertrieben im Krieg der Religionen, geschunden an Körper und Seele. Als Sabäer, einer vorchristlichen Gruppe, können Saif und seine Familie wahrscheinlich nie mehr in ihre Heimat Babylon zurück. Fast täglich flammt der Hass zwischen Schiiten, Sunniten und den Minderheiten neu auf. Und auch in Damaskus lähmt die Hoffnungslosigkeit die Flüchtlinge: Kinder dürfen zwar in die Schule und auch staatliche Spitäler sind offen. Es gibt aber keine Arbeitserlaubnis. "Wir haben zuerst im Hinterraum eines Magazins gewohnt", erzählt der Vater verbittert. Ohne Waschbecken, ohne Kochgelegenheit.
Die Wohnungspreise sind in Damaskus seit der Flüchtlingswelle auf mehr als das Doppelte gestiegen, auch die Kosten für Lebensmittel explodieren. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen verteilt notdürftig Lebensmittelpakete. Syrien kapituliert unter der Last so vieler menschlicher Tragödien. In der Hauptstadt leben sie fast Tür an Tür.
Auch das Leben von Taba Badry liegt in Trümmern. Vermummte haben den Flüchtling im Irak entführt und 22 Tage festgehalten. Heute lebt er mit seiner Familie in einem Kellerloch in Damaskus. Die Matratzen hat er schon gegen Lebensmittel eingetauscht. Die älteste Tochter Amara (7) muss dringend am Herzen operiert werden. "Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll", blickt er in eine drückende Leere. Noch bleibt es zu, das Tor zu einem neuen Leben.
Die kranke Stadt Damaskus braucht dringend Hilfe: Die Caritas Salzburg hat gemeinsam mit der Partnerorganisation "Terre des Hommes" (Erde der Menschen) ein ganzes Netzwerk an Anlaufstellen aufgebaut. Viele Kriegsopfer finden Hoffnung in der orthopädischen Werkstatt, die auf modernstem Niveau arbeitet. Hunderttausend Euro hat die Caritas Salzburg in den Umbau investiert. Ein Werk, das wieder viele Geschichten schreibt. Wie jene der zweijährigen Asmaa: Das Flüchtlingsmädchen kam ohne Beine zur Welt. Mit tiefem Stolz zeigt uns Leiter Khaled Zaynoun ein Kurzvideo von jenem großen Moment, als die Kleine mit neuen Beinen ihre allerersten Schritte tat. "Es ist für uns nicht nur eine Arbeit, sondern eine Passion."
Rettende Engel
Oder der unermüdliche Einsatz der Ordensschwestern vom Guten Hirten: Oberin Schwester Marie Claude hilft jungen Mädchen in Not, egal welcher Herkunft, egal welcher Religion. Und sie erzählt das Drama von Sarah, einer Muslimin, die eine Nacht außer Haus verbrachte und deshalb von ihrer Familie verstoßen wurde. Schwester Marie Claude schleuste sie nach Frankreich aus. Jetzt bekamen die Schwestern gerade Nachricht: Ein Foto von ihrem ersten Baby. "Aber es gehen nicht alle Schicksale so gut aus", sagt die Oberin nachdenklich. Sie ist eine starke Frau, wie alle Schwestern - beeindruckt mit ihrer Willenskraft, die Not zu besiegen. Sogar eine im arabischen Raum einzigartige Hotline für Gewaltopfer hat der Orden eingerichtet. 423 Anrufe aus 16 Ländern sind schon eingegangen.
Die Caritas ist in Syrien Botschafter für die Schwächsten, die Kinder. Unterstützt wird auch die Kinderkrippe der Franziskanerinnen für Flüchtlinge aus dem Südsudan. 47 Schützlinge von 8 Monaten bis 4 Jahren finden hier untertags ein sicheres Zuhause. "Oft schlafen sie schon in der Früh erschöpft ein", erzählt Schwester Renée. "In den Familien leben zehn Personen oder mehr in nur einem einzigen Raum...."
Und noch ein wichtiger Meilenstein in der Caritas-Nahosthilfe: Das Therapiezentrum für spastisch behinderte Kinder. "Es ist quasi österreichischer Boden", begrüßt Leiter Jean-Marie Schmitt die Delegation aus Salzburg. Eine Spenderin hat das Zentrum für Kinder wie den sechsjährigen Fahed ermöglicht. Großes Ziel: Der Bub soll irgendwann von alleine aufstehen können. Genauso wie die vielen tief gefallenen Kriegsopfer auf ein Wunder warten. Für das Flüchtlingsmädchen Amara ist jetzt schon Hoffnung in Sicht: Eine Salzburgerin übernimmt die Kosten für ihre Herzoperation.



