Bericht Mag. Andrea Huttegger, Kommunikation Erzdiözese Salzburg

Ein neues Leben

Mag. Huttegger von der Erzdiözese mit einem Einheimischen.

SALZBURG/DAMASKUS (eds/ah) / 9.00 Uhr morgens: "Frère Jacques, Frère Jacques. Dormez-vous, dormez-vous?"  - 20 Mädchen und Burschen tanzen in einer Kindertagesstätte in Damaskus im Kreis und singen Bruder Jakob auf Französisch. "Frühstück!", ruft eine Betreuerin durch den Vorraum. Hüpfend und nach wie vor singend steuern die Kids im Gänsemarsch auf den Essraum zu, in dem die erste Mahlzeit auf die hungrigen Mäuler wartet.


Ein Segen für Eltern und Kinder

Wie eben beschrieben oder ähnlich beginnt der Tag in der Krippe für sudanesische Flüchtlingskinder in Damaskus. Die Einrichtung ist eines von den Hilfsprojekten in Syrien, die die Caritas Salzburg unterstützt.
"Wir betreuen zirka 47 Kinder, die regelmäßig kommen", erklärt die Leiterin Sr. Renée Coussa vom Orden der Franziskanerinnen. "Tausende Sudanesen haben nach der Flucht aus ihrem Heimatland ein neues Zuhause in Syrien gesucht. Die Familien leben in prekären Verhältnissen", sagt Sr. Renée. "Die Unterkünfte sind klein, dunkel und feucht", fügt Stefan Maier, Leiter der Auslandshilfe der Caritas Salzburg, hinzu. In der Kinderkrippe werden die Kleinen tagsüber betreut. Die Eltern können arbeiten gehen in dem Wissen, dass ihre Töchter und Söhne währenddessen in guten Händen sind. Dank Unterstützung, unter anderem aus Salzburg, wurde die Einrichtung im Laufe der Jahre weiterentwickelt, restauriert und vergrößert. Eine Patenschaft für ein Kind kostet 25 Euro im Monat, so Maier. Mit einem solchen Support werde einem Mädchen bzw. Buben eine gute Betreuung gesichert.

Entführungen, Folter und Vergewaltigung

Die Schwerpunktländer der Auslandshilfe der Caritas Salzburg sind der Libanon, Ägypten und Syrien. Vor kurzem besuchte eine Gruppe aus Österreich im Beisein vom Salzburger Caritas-Direktor Hans Kreuzeder einige Projekte in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Seit 1995 ist Terre des Hommes Syrien (TDHSY) ein wichtiger Partner für die Österreicher vor Ort. 1977 wurde TDHSY vom syrischen Sozialministerium als Hilfsorganisation anerkannt. Die Institution ist eingebettet in die internationale Föderation Terre des Hommes (TDHIF) - ein Hilfswerk, bestehend aus insgesamt elf Organisationen. "Terre des Hommes setzt sich besonders für Kinder, Menschen mit Behinderung sowie diskriminierte Frauen und Männer ein", sagt Elisabeth Cerny. "Seit zirka drei Jahren ist die Hilfe für irakische Flüchtlinge dazu gekommen", so die Caritas-Delegierte und Assistentin des TDHSY-Präsidenten Dr. Ghassan Finianos.

"Die US-Invasion im Irak hatte vor fünf Jahren eine Flüchtlingswelle ausgelöst. Rund 1,5 Millionen Iraker sind nach Syrien geflüchtet", erzählt Maier. Die unter anderem aus religiösen Gründen verfolgten Familien durchlebten Horrorszenarien, die meisten Betroffenen seien traumatisiert. Entführungen, Folter und Vergewaltigungen kommen in den Berichten häufig vor. "Was haben wir getan?", fragt eine Frau, die mit ihren zwei behinderten Kindern und dem Ehemann aufgrund ihres Glaubens  sie ist Christin  den Irak verlassen musste. Ihrem älteren Sohn wollte man einen Sprengstoffgürtel umbinden und ihn als lebende Bombe auf die Straße schicken. Die Familie konnte fliehen. Syrien ließ seine Grenzen im Gegensatz zu anderen Ländern lange offen. 2007 kam der Staat mit dem Massenansturm an Flüchtlingen nicht mehr zurecht, eine Visumspflicht wurde eingeführt. TDHSY setzt sich nun seit zirka drei Jahren unermüdlich für Flüchtlinge ein, um deren Elend zu mildern.

450 Prothesen und 250 Korsetts

Ein Mann, der zwei Bein-Prothesen herstellt.

Die Caritas Salzburg unterstützt auch die orthopädische Werkstätte im TDHSY-Zentrum in Damaskus, welche die modernste ihrer Art landesweit ist. "Vor kurzem erhielt zum Beispiel ein irakischer Kriegsflüchtling, der durch Bomben beide Arme verlor, zwei Prothesen", berichtet Stefan Maier. Für ihn hat ein neues Leben begonnen. Die Experten, die teils in Syrien, teils in Frankreich ausgebildet werden, gehen mit größter Akribie an die Arbeit. "Eine Prothese muss exakt auf die Person abgestimmt sein", sagt Khaled Zaynoun, technischer Leiter der Werkstatt. Rund 450 Prothesen, 250 Korsetts und 280 sonstige Apparate seien in den vergangenen zweieinhalb Jahren in den Räumlichkeiten inmitten des Viertels Bab Touma in Damaskus gefertigt worden, berichtet der junge Syrer stolz.

Lebenrettende Herzoperationen

Eine Nonne mit zwei Kindern.

"Die Kosten von 3.000 Euro sind für die meisten Familien unerschwinglich", weiß Stefan Maier und berichtet über die Situation tausender syrischer Kinder, die an schwerwiegenden Herzfehlern leiden.
Eine Operation sei notwendig, ansonsten würden die Kranken sterben.
Hinzu kommt, dass in Syrien die Kapazitäten für Herzoperationen unzureichend sind. Babies sowie Kleinkinder unter zwei Jahren seien in dem Land gar nicht operabel. Seit 1996 arbeitet die Caritas Salzburg mit einer auf Herzoperationen spezialisierten französischen Hilfsorganisation zusammen, die zwei Drittel der Kosten übernimmt.
Kinder, die sich nach Voruntersuchungen in Syrien als nicht operabel erweisen, werden in eine Spezialklinik nach Paris gebracht. Die Caritas Salzburg finanzierte bereits mehr als 100 Operationen mit. "Die Warteliste ist noch lang", fügt Maier hinzu.

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