Bericht Mirjam Falch
Ahlan wa Salam - Willkommen
Diese aus den Herzen der SyrerInnen gesprochenen Worte sind für mich wie ein Leitfaden, der sich durch meine Zeit hier in Syrien als freiwillige Mitarbeiterin in dem von der Caritas Salzburg finanzierten Projekt der Kinderkrippe für sudanesische Flüchtlingskindern, zieht. Sie stehen für die Gastfreundlichkeit, Großzügigkeit und Herzlichkeit der Bevölkerung dieses so besonderen Landes, reich an Kulturschätzen und wunderschönen - meist kargen - Landschaften, doch vor allem sind es die Menschen, die meine Zeit hier so prägend für mich gestalten.
Dies gilt im Besonderen für die sudanesischen Flüchtlingskindern, mit denen ich nun seit vier Monaten fünf Tage die Woche arbeiten darf. Sie kommen aus Verhältnissen, wie ich sie vor dieser Reise noch nicht kannte. So besitzen viele von ihnen etwa nur eine Kleidergarnitur, meist viel zu klein und bereits schwer in Mitleidenschaft gezogen, vor allem jedoch zu kalt für den syrischen Winter.
Die Situationen in den Familien ist zumeist sehr schwierig aufgrund all der Probleme und der ungewissen Zukunft denen die Eltern - zumeist arbeitsuchend oder illegale Hilfsarbeiter, sofern beide überhaupt hier sind - täglich ins Gesicht blicken müssen. Den Kindern bleiben all diese Problematiken natürlich nicht verborgen und unsere Aufgabe in der Kinderkrippe besteht somit neben der Gesundheitlichen-, Hygienischen- und Nahrungsversorgung auch vor allem darin ihnen die so benötigte Liebe, Geborgenheit und Wärme zu spenden.
Doch die Kinder selbst sind sehr, sehr starke Persönlichkeiten und entwickeln wirklich von klein auf ihren ganz eigenen Humor; es ist in meinen Augen nach wie vor überaus bewundernswert wie sie ihr Leben allen Schwierigkeiten zum Trotz meistern! Ich darf viel von ihnen lernen, ebenso wie von den sudanesischen Müttern, welche ihren Kindern ein Lebenskonzept bestehend aus purer Lebensfreude - und der Fähigkeit all die Widrigkeiten ihres alltäglichen Lebens über ihre eigenen Kinder vergessen zu können - sowie dem Wissen eine starke Persönlichkeit zu besitzen, vorleben. Dieses "Rezept" prägt die Kinder von klein auf und hat auch mein eigenes Bild vom Kind beeinflusst.
Zu sehen wie sich die Kinder entwickeln zeugt davon, wie wichtig die Arbeit dieser Einrichtung ist. Nicht nur, obwohl dies natürlich einen überaus wichtigen Aspekt darstellt, auf der körperlichen Ebene, sondern gerade auch im sozialen Bereich, wie beispielsweise etwa im schrittweisen Erlernen von Konfliktmanagement auf einer kommunikativen Basis, Friedenserziehung, ein Miteinander erleben zu können, sich als gewolltes, wertvolles und akzeptiertes Mitglied einer Gemeinschaft zu fühlen, sich umeinander sorgen und für einander da zu sein usw. Dies alles empfinde ich als wunderschön und hier Fortschritte zu beobachten zu dürfen, gehört für mich persönlich mit zur größten Motivation.
Erst heute durfte ich zuschauen wie der kleine Jor, ein Jahr und vier Monate alt, versuchte Maria, sieben Monate alt, die Schuhe anzuziehen. Diese kleine Geste mutet vielleicht nichtssagend an, doch gerade Jor stammt aus schwierigen Verhältnissen. So muss seine Mutter alleine für sich und ihre drei Kinder aufkommen, der Vater ist im Sudan ohne baldige Chance auf ein Wiedersehen mit seiner Familie und Jor zusätzlich physisch in schlechter Verfassung; da ist es nur natürlich, dass ein kleines Kind, all diesen Belastungen ausgeliefert, sich in Aggressivität flüchtet. Mit dem Hintergrundwissen um diesen Kontext bekommt seine Hilfsbereitschaft und Aufmerksamkeit der viel schwächeren Maria gegenüber, zumindest in meinen Augen, noch einmal einen völlig anderen Wert.
Die schönsten Moment für mich hier sind jene, wenn diese, teils vom Leben wirklich benachteiligten, Kinder lachen können. Doch einige scheinen diese Fähigkeit, obgleich ihres jungen Alters, bereits verlernt zu haben. Regina etwa, viereinhalb Jahre alt, leidet an einer Calziummangelerkrankung, aufgrund welcher sie sehr, sehr schwach ist, sodass es ihr unmöglich ist, zu laufen, zu springen oder gar zu tanzen. Ihr ein Lächeln zu entlocken, ist jedes Mal ein ganz besonderer, sehr rarer Erfolg.
Während meiner Zeit hier durfte ich auch mit irakischen Flüchtlingskindern und ihren Familien in Kontakt treten. Die meisten von ihnen leben in einem Kellerloch, in einem der schlechtesten Vierteln von Damaskus. Von dem Ausmaß der dort vorherrschenden Armut konnte ich mir im Zuge von Hausbesuchen mit den Schwestern vom Guten Hirten selbst ein Bild machen. Die Familie von der kleinen Amal beispielsweise (der Name bedeutet übrigens "Hoffnung"), lebt in einem einzigen Zimmer ohne Heizung oder gar elektrischem Licht. Das einzige "Möbelstück" stellt eine alte, modrige Matratze dar, welcher der Mutter und den fünf Kindern als Bett dient. Wenn diese sich auf Arbeitssuche begibt, muss sie ihre Kinder in dem dunkeln Raum einschließen, der Jüngste gerade einmal drei Jahre alt. Das Geld reicht weder für einen Arztbesuch noch für die so benötigte Brille für Amal und doch ist die Herzlichkeit und Wärme dieser Familie unvorstellbar groß.
Diese Zeit hier in Syrien hat mich sehr verändert und die Arbeit mit all diesen besonderen Menschen unbeschreiblich reich beschenkt. Ein riesen Danke auch vor allem an die Auslandshilfe der Caritas Salzburg, welche mir diesen Einsatz ermöglicht und ein unvorstellbar großer Segen für unzählige Menschen ist!!!
Mirjam Falch


