Bericht Magdalena Peyrer
Die arabische Welt war in den letzten Wochen und Monaten in aller Munde. Die Medienwelt blickte mit Staunen auf die Zivilcourage der ÄgypterInnen und verfolgte die Umbrüche in Libyen mit Besorgnis. Davon beeinflusst war auch die Reaktion von Vielen, als ich, Studentin der Internationalen Entwicklung an der Universität Wien, beschloss mich für ein Volontariat bei der CARITAS Salzburg im Libanon zu bewerben.
Wie ich auf diese Idee kam? Je mehr die Ausländerfeindlichkeit in den vergangenen Jahren in Österreich zunahm, desto mehr habe ich mich für die arabische Kultur und Sprache interessiert. Ich wollte die Menschen selbst erfahren und die vielen Vorurteile entkräften. Nachdem ich nun schon seit fünf Wochen hier im Frauenhaus für Migrantinnen und Asylwerberinnen der CARITAS arbeite, kann ich sagen, dass mir das gelungen ist. Abgesehen davon, kann ich mein gesichertes Leben in Österreich kaum genießen, wissend, wie sehr unsere Welt von Ungerechtigkeiten geprägt ist. Ich bin der Meinung, dass wir uns alle engagieren sollten, um die Welt ein kleines Stück fairer zu machen.
Wie bereits erwähnt, arbeite ich hier in einem Frauenhaus für Migrantinnen und Asylwerberinnen in den Bergen Libanons, geleitet vom Flüchtlingsbüro der CARITAS Libanon und unterstützt durch die Auslandshilfe der CARITAS Salzburg. Die Migrantinnen kommen größtenteils aus Äthiopien, Madagaskar, Bangladesch, den Philippinen und Sri Lanka. Sie kommen meist hierher um als Haushaltshilfen zu arbeiten und dadurch ihren Lebensstandard zu verbessern. Viele von ihnen haben Familie und Kinder in ihren Herkunftsländern, die sie durch remittances - Sendungen von Geld - unterstützen. Ich habe großen Respekt vor diesen Frauen, die ihre Angehörigen für viele Jahre nicht sehen können.
Wie zum Beispiel eine Migrantin aus Madagaskar, die mir besonders ans Herz gewachsen ist. Sie kam vor zwei Jahren hierher, da sie Geld für die Schulausbildung ihrer Tochter benötigte. Viele Frauen haben mit ihren Vorhaben jedoch keinen Erfolg. Sie werden Opfer moderner Sklaverei: sexuelle Belästigung, sowie psychische und physische Gewalt sind keine Seltenheit. Ihre Gehälter werden oft für viele Monate nicht ausbezahlt und auch die Pässe werden ihnen gewöhnlich von dem/r ArbeitgeberIn abgenommen. Einige finden den Mut zu fliehen, doch nicht immer ergeht es ihnen danach besser.
Die Asylwerberinnen stammen meist aus dem Irak. Da der Libanon die Genfer Flüchtlingskonventionen nicht unterschrieben hat, versuchen sie Asyl in Europa, den USA oder Kanada zu erhalten. Gelangen Frauen zur CARITAS, so können sie sich hier an einem ruhigen und sicheren Ort ausruhen und bekommen rechtlichen Beistand. Die CARITAS versucht alles, um ihnen möglichst bald die Heimreise, oder auch die Aufenthaltsberechtigung zu ermöglichen.
Jeder Tag eine neue Herausforderung
In unserem Shelter haben sie außerdem die Möglichkeit an einigen Aktivitäten, wie zum Beispiel Englisch- und Computerunterricht teilzunehmen. Dennoch haben die Frauen und Kinder oft keine Beschäftigung, die sie von dem vielen Nachdenken und Warten ablenkt. Auch ist das Team hier nicht besonders groß, obwohl in unserem Shelter oft auf engem Raum bis zu 100 Frauen untergebracht sind. Als ich vor fünf Wochen hierher gekommen bin, habe ich daher versucht überall anzupacken, wo gerade Hilfe notwendig war und den Kontakt mit den Frauen und Kinder gesucht. Hier ist es besonders wichtig flexibel zu sein, da jeden Tag neue und unerwartete Dinge passieren und man seine Vorhaben für einen Tag meist nicht erfüllen kann. Ich helfe also in administrativen Angelegenheiten und versuche daneben noch einige Aktivitäten durchzuführen: Zeichnen und Schreiben mit den Kindern, Karten spielen, Bänder knüpfen, Fitness, ... Die Situation der Kinder schmerzt mich besonders. Viele sind bereits zehn, zwölf Jahre alt und haben oft keine Schulausbildung. Sie sind noch so jung und schon jetzt wird ihnen die Chance auf eine bessere Zukunft genommen. Auch für die CARITAS ist es kein leichtes Unterfangen diesen Kindern eine Schulausbildung zu ermöglichen, da viele von ihnen keine Papiere haben und illegal im Libanon leben.
Ich hoffe, dass ich in meinen sieben Wochen das Team entlaste und den Frauen und Kindern eine lustige und fröhliche Zeit bereiten kann. Es ist nicht immer einfach mit den vielen schlimmen Lebenssituationen umzugehen und gleichzeitig zu wissen, dass Eine/r wenig machen kann um diese zu verändern. Das Shelter begleitet die Frauen und Kinder nur in einem kurzen Abschnitt ihres Lebens. Wir wissen nicht wie es ihnen ergeht, wenn sie wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind. Ich hoffe, ich konnten Ihnen mit diesem Artikel einen kleinen Einblick in meine Arbeit geben und Ihnen gleichzeitig die Problematik dieser Menschen ans Herz legen! Es gibt viele Frauen und Kinder, die Hilfe benötigen würden - Häuser, wie dieses gibt es kaum.
Magdalena Peyrer-Heimstätt



